Kreatin hat einen kleinen, belegten Effekt auf das Gedächtnis, aber keinen auf Exekutivfunktionen wie Planen und Priorisieren. Zwei Meta-Analysen finden Effektstärken um 0,3 — messbar, aber zu klein, um ihn im Alltag zu bemerken. Der Nutzen hängt stark davon ab, wer du bist: Vegetarier und Menschen im Schlafmangel profitieren am ehesten, ausgeschlafene Fleischesser mit vollen Speichern am wenigsten. Der eigentliche Grund für Kreatin ab 40 ist die Muskulatur, nicht der Kopf.
22 Uhr, dritter langer Tag in Folge. Morgen früh die Präsentation, für die du eigentlich noch zwei klare Stunden bräuchtest. Und du merkst, dass die Sätze nicht mehr so zusammenlaufen wie am Montag.
Genau hier landen viele bei Kreatin. Nicht wegen der Muskeln, sondern weil seit zwei Jahren überall zu lesen ist, es mache auch den Kopf schneller. Die Frage ist berechtigt. Die Antwort ist unbequemer, als die meisten Beiträge zugeben.
Das Muster begegnet mir regelmäßig in der Praxis: Jemand sitzt mir gegenüber, hat drei Supplemente im Schrank und eine Recherche im Kopf — und schläft sechs Stunden. Die Frage lautet dann nie, welches Pulver noch fehlt. Sie lautet, an welcher Stelle im System das Problem eigentlich sitzt.
Warum Kreatin überhaupt ins Gehirn soll
Kreatin ist ein Energiepuffer. Es hilft der Zelle, ATP schnell wiederherzustellen, den universellen Energieträger des Körpers. Im Muskel ist das gut verstanden und der Grund, warum Kreatin das am besten untersuchte Supplement im Sport überhaupt ist.
Das Gehirn ist ebenfalls energiehungrig. Zwei Prozent des Körpergewichts, rund ein Fünftel des Energieverbrauchs. Der Gedanke liegt also nahe: mehr Puffer, mehr Leistung.
Nur gibt es dabei ein Nadelöhr, das in kaum einem Beitrag vorkommt.
Das Nadelöhr heißt Blut-Hirn-Schranke
Kreatin kommt schwer ins Gehirn. Das ist keine Randnotiz, das ist der zentrale Punkt des ganzen Themas.
Merege-Filho und Kollegen (2016) haben 67 Kindern eine Woche lang Kreatin gegeben und anschließend per Magnetresonanzspektroskopie direkt im Gehirn nachgemessen, in drei Regionen. Ergebnis: kein messbarer Anstieg. Keine kognitive Veränderung. Ihre Schlussfolgerung war, dass das Gehirn seinen Kreatinbedarf weitgehend selbst deckt und sich wenig dafür interessiert, was im Blut vorbeischwimmt.
Turner und Kollegen (2015) fanden nach sieben Tagen immerhin einen Anstieg. Er lag bei 9,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Muskel sind Steigerungen von 20 bis 40 Prozent normal.
Wie deutlich diese Trennung ist, zeigt eine Studie an Fibromyalgie-Patienten über 16 Wochen. Das Phosphokreatin im Muskel stieg um 80 Prozent, die Kraft verbesserte sich messbar. Kognitive Funktion, Schmerz, Schlafqualität und Lebensqualität blieben unverändert.
Voller Muskelspeicher sagt nichts über das Gehirn aus. Das ist der Satz, der die meisten Kreatin-Versprechen aushebelt.
Bestätigung von unerwarteter Seite: Ein systematischer Review von 19 Nagetierstudien aus diesem Jahr fand, dass Kreatin bei Ratten und Mäusen Lernen und Gedächtnis verbessert. Aber der stärkste Effekt trat bei intranasaler Gabe auf, also wenn man den Umweg über den Verdauungstrakt umgeht. Oral war deutlich schwächer. Das sind Tierdaten und nicht direkt übertragbar. Als Hinweis darauf, wo das Problem liegt, sind sie trotzdem eindeutig.
Was die Meta-Analysen tatsächlich zeigen
Es gibt zwei brauchbare Meta-Analysen. Prokopidis und Kollegen (2023) werteten acht kontrollierte Studien aus, Xu und Kollegen (2024) sechzehn Studien mit 492 Teilnehmenden.
Beide finden einen Gedächtniseffekt. Die Effektstärken liegen bei 0,29 und 0,31. Übersetzt heißt das: messbar, statistisch belastbar, klein. Nichts, was du an einem einzelnen Arbeitstag bemerken würdest.
Für Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit findet Xu ebenfalls Effekte, stuft die Sicherheit dieser Befunde nach GRADE aber selbst als niedrig ein. Nur beim Gedächtnis kommt sie auf moderate Sicherheit.
Und dann kommt der Teil, der selten zitiert wird: Auf Exekutivfunktionen und die kognitive Gesamtleistung fand die Meta-Analyse keinen Effekt. Exekutivfunktionen sind Planen, Priorisieren, Impulskontrolle. Also genau das, was in einer vollen Woche zählt.
Wer Kreatin nimmt, um strategisch klarer zu denken, kauft eine Wirkung, die in den Daten nicht vorkommt.
Was eine Effektstärke von 0,3 praktisch bedeutet
Eine kurze Einordnung lohnt sich, weil in Supplement-Artikeln ständig mit Effektstärken hantiert wird, ohne sie zu erklären.
Eine Effektstärke, in den Studien als standardisierte Mittelwertdifferenz angegeben, beschreibt den Abstand zwischen Kreatin- und Placebogruppe, gemessen in Streuungseinheiten. Die grobe Konvention: 0,2 gilt als klein, 0,5 als mittel, 0,8 als groß.
0,3 liegt also im unteren Bereich. Anschaulich heißt das: Die Gruppen überlappen sich stark. Ein zufällig herausgegriffener Mensch aus der Kreatingruppe schneidet nur wenig häufiger besser ab als einer aus der Placebogruppe. Über hunderte Teilnehmer wird daraus ein sauber messbarer Unterschied. Bei dir als Einzelperson verschwindet er im Rauschen deines Alltags, zwischen Schlafqualität, Koffein, Stress und Tagesform.
Das ist kein Argument gegen Kreatin. Es ist ein Argument gegen die Erwartung, du würdest den Unterschied bemerken.
Was die EU-Behörde dazu sagt
Hier lohnt ein Blick auf eine Institution, die kein Interesse daran hat, dir etwas zu verkaufen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat im November 2024 geprüft, ob Hersteller mit einer positiven Wirkung von Kreatin auf die geistige Leistungsfähigkeit werben dürfen. Das Ergebnis: Sie konnte anhand der vorgelegten Studien keinen Zusammenhang zwischen Kreatineinnahme und verbesserter kognitiver Funktion feststellen.
Die praktische Folge: In der EU darf mit einer Wirkung auf Gehirn, Konzentration oder Gedächtnis nicht geworben werden. Wenn du das trotzdem auf einer Verpackung oder in einem Shop liest, ist das nicht erlaubt.
Wie passt das zu den Meta-Analysen, die einen Gedächtniseffekt finden? Es widerspricht sich weniger, als es klingt. Die Meta-Analysen fassen viele kleine Studien zusammen und finden dabei einen kleinen Durchschnittseffekt. Eine Behörde, die eine gesundheitsbezogene Aussage für den gesamten Markt freigibt, verlangt einen anderen Härtegrad an Beleg: konsistent, robust, an der Allgemeinbevölkerung reproduziert. Diesen Härtegrad erreicht die Datenlage nicht.
Beides ist gleichzeitig wahr. Es gibt ein Signal, und es ist zu schwach für ein Versprechen.
Entscheidend ist, wer du bist
Der aufschlussreichste Teil der Arbeit von Prokopidis steckt in den Untergruppen.
Bei Menschen zwischen 66 und 76 Jahren lag der Gedächtniseffekt bei 0,88. Das ist deutlich. Bei den 11- bis 31-Jährigen lag er bei 0,03. Das ist nicht klein, das ist null.
Rawson und Kollegen (2008) hatten das vorher schon gezeigt. 22 junge Erwachsene, sechs Wochen Kreatin, eine ganze Batterie kognitiver Tests: Reaktionszeit, Arbeitsgedächtnis, logisches Schließen, mathematische Verarbeitung. Kein einziger Wert veränderte sich.
Daraus ergibt sich die Regel, die das ganze Thema ordnet. Kreatin füllt eine Lücke. Es hebt kein Dach an.
Und hier wird es unbequem. Ein trainierter 45-Jähriger, der regelmäßig Fleisch isst und einigermaßen schläft, hat volle Speicher. Er hat keine Lücke. Für genau diese Gruppe gibt es keinen belastbaren Beleg für einen kognitiven Nutzen. Das ist nicht die Aussage, die Supplement-Hersteller gerne hätten. Aber es ist die, die in den Daten steht.
Zwei Situationen, in denen es anders aussieht
Vegetarische und vegane Ernährung. Kreatin steckt fast ausschließlich in Fleisch und Fisch. Wer keines isst, hat nachweislich niedrigere Speicher. Avgerinos und Kollegen (2018) sowie Kaviani und Kollegen (2020) berichten für diese Gruppe stärkere Gedächtniseffekte als bei Fleischessern. Das ist die am besten begründete Untergruppe überhaupt. Wenn du fleischlos isst, bist du der wahrscheinlichste Profiteur.
Echter Schlafmangel. Gordji-Nejad und Kollegen (2024) am Forschungszentrum Jülich haben Probanden während 21 Stunden Schlafentzug eine einzelne hohe Dosis Kreatin gegeben, 0,35 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei 85 Kilo sind das rund 30 Gramm. Sie haben die Energiephosphate direkt im Gehirn gemessen, nicht nur Testergebnisse verglichen. Verarbeitungsgeschwindigkeit und kognitive Leistung verbesserten sich. Der schlafentzugsbedingte Abfall des pH-Werts im Gehirn blieb aus.
Turner und Kollegen (2015) fanden Vergleichbares unter künstlichem Sauerstoffmangel. Die eingebrochene Aufmerksamkeitskapazität wurde unter Kreatin wiederhergestellt.
Das Muster ist eindeutig. Kreatin zeigt sich, wenn das Gehirn energetisch unter Druck steht. Im Normalzustand bleibt es unauffällig.
Eine Einschränkung gehört dazu, sonst wäre es unredlich: Beide Studien liefen im Labor, an jungen Gesunden, mit kleinen Stichproben. Die Übertragung auf einen Langstreckenflug oder eine harte Verhandlungswoche ist plausibel. Belegt ist sie nicht.
Drei Erwartungen, die die Daten nicht hergeben
Kreatin plus Krafttraining bringt kognitiv nichts obendrauf. Alves und Kollegen (2013) haben das sauber getestet: 24 Wochen, vier Gruppen, jeweils Placebo oder Kreatin, jeweils mit oder ohne Krafttraining. Beide Trainingsgruppen verbesserten ihre Werte auf der Depressionsskala deutlich. Kreatin ohne Training brachte bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Inhibitionskontrolle keinen relevanten Vorteil.
Der systematische Review von Stares und Bains (2020) über 17 kontrollierte Studien kommt zum selben Schluss: kein additiver Effekt von Kreatin über das Training hinaus auf mentale Kennwerte. Eine große Trainingsstudie an 103 Älteren aus diesem Jahr zeigt dasselbe Bild. Die Verbesserungen bei Kognition und neurokognitiven Markern kamen vom Training. Der Wirkstoff, der dein Gehirn ab 40 zuverlässig schützt, heißt nicht Kreatin. Er heißt Krafttraining.
Es gibt eine ernstzunehmende Gegenstimme. McMorris und Kollegen (2024) kommen in ihrem systematischen Review zu dem Schluss, die Wirkung auf die Kognition sei uneindeutig. Ihre Hauptkritik trifft die Methodik: In den meisten Studien wurde der Gehirn-Kreatingehalt gar nicht gemessen. Man hat Effekte gesucht, ohne zu prüfen, ob der Wirkstoff überhaupt angekommen ist.
Kreatin verhindert keine Demenz. Dazu gibt es am Menschen schlicht keine Daten. Wenn du das irgendwo liest, ist es erfunden.
Wie belastbar die Daten für Ältere wirklich sind
Anfang dieses Jahres ist der bislang gründlichste Review speziell zu Kreatin und Kognition bei über 55-Jährigen erschienen. Marshall und Kollegen (2026) haben acht Datenbanken durchsucht und kamen auf sechs Studien mit zusammen 1.542 Personen. Fünf davon berichten einen positiven Zusammenhang, vor allem bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
Klingt solide. Der Blick ins Kleingedruckte relativiert das erheblich.
Nur zwei der sechs Studien waren echte doppelblinde Interventionen. Die anderen vier waren Querschnittsstudien, die die Kreatinzufuhr über Ernährungsprotokolle geschätzt haben. Solche Studien können zeigen, dass zwei Dinge gemeinsam auftreten, aber nicht, dass eines das andere verursacht. Wer viel Fleisch und Fisch isst, unterscheidet sich in vielem von jemandem, der das nicht tut.
Und die Qualitätsbewertung der Autoren selbst: eine Studie „gut", zwei „fair", drei „poor". Ihre eigene Schlussfolgerung lautet, dass hochwertige klinische Studien erst noch nötig sind. Der große Gedächtniseffekt bei Älteren, der überall zitiert wird, stützt sich zudem wesentlich auf eine Untersuchung von 2007 mit 32 Teilnehmern. Das ist ein dünnes Fundament für eine so oft wiederholte Aussage.
Der eigentliche Grund für Kreatin ab 40
Bis hierher klingt das nach einer Absage. Ist es nicht. Es ist eine Verschiebung der Begründung.
Ab etwa 40 verlierst du ohne Gegensteuern jedes Jahrzehnt Muskelmasse und, schneller noch, Maximalkraft. Genau dort ist die Kreatin-Evidenz stark, während sie beim Gehirn dünn bleibt.
Stares und Bains (2020) formulieren die Bedingung präzise: Additive Effekte auf Kraft, funktionelle Kapazität und Magermasse sind zu erwarten, wenn Kreatin dauerhaft und täglich in niedriger Dosis genommen wird und mit mindestens zwölf Wochen Krafttraining kombiniert ist. Frauen zeigen dabei konsistentere Effekte als Männer.
Zwei Bedingungen also. Täglich, und mit Training. Kreatin ohne Krafttraining ist teurer Urin.
Das ist die ehrliche Reihenfolge: Nimm Kreatin für die Muskulatur. Wenn das Gehirn mitprofitiert, ist das ein Bonus. Keine Zusage. Wer Supplemente grundsätzlich kritisch betrachtet, liegt damit richtig — Kreatin ist eines der wenigen, die eine Ausnahme verdienen.
Dosierung, Nebenwirkungen, Sicherheit
Das Sicherheitsprofil ist gut. Das Positionspapier der International Society of Sports Nutrition (2017) fasst zusammen: bis 30 Gramm täglich über bis zu fünf Jahre gut verträglich, untersucht von Säuglingen bis zu Hochbetagten.
Drei bis fünf Gramm Kreatin-Monohydrat täglich. Tageszeit egal. Ladephase überflüssig, sie beschleunigt das Auffüllen nur um wenige Wochen und macht manchen Magenprobleme.
Monohydrat, nichts anderes. Praktisch die gesamte belastbare Evidenz basiert darauf. Hydrochlorid und Ethylester haben eine deutlich dünnere Datenlage, kosten aber mehr. Die einzige Studie, die exakt in der Altersgruppe um 50 lief, nutzte Hydrochlorid und hatte neun Personen pro Gruppe. Zu wenig, um daraus etwas abzuleiten. Bei der Auswahl gilt dasselbe wie bei der Frage nach der richtigen Magnesiumform: Die Verbindung entscheidet, nicht die Zahl auf der Packung.
Rechne mit vier Wochen, bis die Speicher gefüllt sind. Und rechne damit, nichts zu spüren. Bei einer Effektstärke um 0,3 ist das der Normalfall, kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft.
Die Waage wird ein bis zwei Kilo mehr zeigen. Das ist kein Fett. Kreatin bindet Wasser in der Muskelzelle, das ist der Mechanismus und kein Nebeneffekt. Wenn du in einer Gewichtsklasse antrittst oder auf eine Zahl schaust, solltest du es wissen. Sonst ist es irrelevant.
Ein Hinweis fürs Blutbild. Unter Kreatin kann der Kreatininwert leicht ansteigen, ohne dass deine Nierenfunktion schlechter geworden ist. Sag es deinem Arzt vor der Blutabnahme, das erspart eine unnötige Schrecksekunde.
Wann du die Finger davon lässt. Bei bekannter Nierenerkrankung, und bei erhöhtem Risiko dafür, also etwa bei Diabetes oder Bluthochdruck. In diesen Fällen gehört die Entscheidung zum Arzt, nicht in einen Blogartikel.
Die Reihenfolge, die zählt
Kreatin ist ein gutes Beispiel für ein Muster, das mir ständig begegnet. Jemand liest von einem Supplement, bestellt es, nimmt es acht Wochen und fragt sich dann, warum sich nichts geändert hat.
Das Supplement war nie das Problem.
Wenn du im Schnitt sechs Stunden schläfst, dreimal die Woche zu spät isst und seit Monaten kein Krafttraining machst, dann ist Kreatin die vierte Stellschraube in einer Reihe, in der die ersten drei noch offen sind. Ein Effekt von 0,3 verschwindet in diesem Rauschen restlos.
Die Reihenfolge ist unspektakulär und ändert sich selten: erst Schlaf, dann Training, dann Ernährung, dann Supplemente. Wer diese Reihenfolge umdreht, kauft sich Beschäftigung statt Wirkung. Das ist übrigens derselbe Denkfehler, der vieles am Biohacking-Trend problematisch macht: Optimierung an der falschen Stelle fühlt sich produktiv an und ist es nicht.
Kreatin ist dabei eines der wenigen Supplemente, die diesen letzten Platz überhaupt verdienen. Gut untersucht, sicher, günstig, mit belegtem Nutzen für die Muskulatur. Es ist nur eben Platz vier. Nicht Platz eins.
Welche Stellschraube bei dir tatsächlich die erste ist, lässt sich nicht aus einem Artikel ableiten. Das ist genau die Frage, die eine strukturierte Standortbestimmung beantwortet.
Was du mitnehmen solltest
Nimm Kreatin wegen der Muskulatur, nicht wegen des Kopfes. Für Kraft und Magermasse ab 40 ist die Evidenz stark, vorausgesetzt du trainierst dazu. Der kognitive Effekt ist real, aber klein.
Erwarte nichts, wenn du ausgeschlafen bist und Fleisch isst. Volle Speicher, keine Lücke, kein nachweisbarer Effekt. Das ist keine Enttäuschung, das ist die korrekte Erwartung.
Wenn du fleischlos isst, bist du die Ausnahme. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines echten Nutzens am höchsten, weil das Defizit real ist.
Drei bis fünf Gramm Monohydrat täglich, keine Ladephase, zwölf Wochen Training dazu. Alles darüber hinaus ist ausgegebenes Geld ohne belegten Zusatznutzen.
Wenn du schlecht schläfst, ist der Schlaf die Baustelle. Kreatin dämpft im Labor einige Folgen von Schlafentzug ab. Es ersetzt keine Nacht. Kein Pulver tut das.
Verbessert Kreatin wirklich die Gehirnleistung?
Teilweise. Zwei Meta-Analysen finden einen kleinen, aber statistisch belastbaren Effekt auf das Gedächtnis (Effektstärke rund 0,3). Auf Exekutivfunktionen wie Planen und Priorisieren sowie auf die kognitive Gesamtleistung wurde dagegen kein Effekt gefunden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam 2024 zu dem Schluss, dass die Datenlage für eine Werbeaussage nicht ausreicht. Der Nutzen ist deutlich kleiner, als meist dargestellt.
Wie viel Kreatin sollte ich für das Gehirn nehmen?
Drei bis fünf Gramm Kreatin-Monohydrat täglich. Die Meta-Analyse fand zwischen 2,2 und 20 Gramm keinen Dosisunterschied, mehr ist also nicht besser. Eine Ladephase ist nicht nötig, die Tageszeit spielt keine Rolle.
Wie lange dauert es, bis Kreatin wirkt?
Etwa vier Wochen, bis die Speicher gefüllt sind. Ein spürbarer kognitiver Effekt ist bei dieser Effektstärke allerdings unwahrscheinlich. Wenn du nichts merkst, ist das der Normalfall und kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft.
Wer profitiert am meisten von Kreatin fürs Gehirn?
Am besten belegt ist der Nutzen bei Vegetariern und Veganern, weil Kreatin fast nur in Fleisch und Fisch vorkommt und ihre Speicher niedriger sind. Hinweise gibt es außerdem für Phasen mit Schlafmangel und für Menschen jenseits der 60. Ausgeschlafene, trainierte Fleischesser profitieren nach aktueller Datenlage am wenigsten.
Nimmt man von Kreatin zu?
Auf der Waage ja, meist ein bis zwei Kilogramm. Das ist kein Fett, sondern Wasser, das Kreatin in der Muskelzelle bindet. Es ist Teil des Wirkmechanismus und kein unerwünschter Effekt. Relevant wird es nur, wenn du in einer Gewichtsklasse antrittst.
Ist Kreatin für die Nieren schädlich?
Nach der Datenlage nicht. Das Positionspapier der International Society of Sports Nutrition beschreibt Dosierungen bis 30 Gramm täglich über bis zu fünf Jahre als gut verträglich. Wichtig zu wissen: Der Kreatininwert im Blut kann unter Kreatin leicht ansteigen, ohne dass die Nierenfunktion schlechter geworden ist. Informiere deinen Arzt vor einer Blutabnahme. Bei bestehender Nierenerkrankung oder erhöhtem Risiko dafür vorher ärztlich abklären.
Wissenschaftliche Quellen
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Medizinischer Hinweis
- Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die dargestellten Studienergebnisse beziehen sich auf Gruppendurchschnitte und lassen keinen Rückschluss auf den Einzelfall zu. Bei bestehenden Erkrankungen, insbesondere der Nieren, bei Einnahme von Medikamenten sowie in Schwangerschaft und Stillzeit sprich vor einer Supplementierung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.